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Mehrsprachigkeit und Kinderrechte auf dem Kinderrechte-Portal

Heute, am 26. September, ist der Europäische Tag der Sprachen – für das Netzwerk Kinderrechte ein Anlass, um Mehrsprachigkeit aus einer kinderrechtlichen Perspektive zu betrachten: In Deutschland wachsen etwa 25% der Kinder zwischen 6 und 15 Jahren mit mehr als einer Sprache auf. Neben Deutsch sprechen Kinder zum Beispiel Arabisch, Türkisch, Polnisch oder Rumänisch. Mit mehreren Sprachen aufzuwachsen ist für junge Menschen mehr als eine zusätzliche Qualifikation für das spätere Berufsleben – Mehrsprachigkeit ist ein Teil ihrer Identität. Es ist die Sprache, die ein Kind zu Hause spricht, in der es sich die Welt erklärt, sich ausdrückt, streitet und in der es träumt. Die UN-Kinderrechtskonvention liefert eine rechtliche Grundlage für die Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit junger Menschen.  

Auf dem Kinderrechte-Portal und den Social-Media-Kanälen des Netzwerks Kinderrechte stellen wir im Oktober und November mehrsprachige Kinder- und Jugendmedien und die dahinterstehenden Verlage, Vereine und Medienhäuser vor. Wir freuen uns auf Beiträge zu einer Werkstatt, in der Kinder ihre eigenen Bilderbücher entwickeln, eine Verlagsgeschichte, in der Wörter reisen und Überlegungen zu der Frage, wie kulturelle Vielfalt in Kinder- und Jugendmedien authentisch dargestellt werden kann. An der Kooperation beteiligen sich der Verein Bücherpiraten e.V., der SchauHoer Verlag, der Verlag bilibri, der Schweizer Verlag und Verein Baobab Books und der österreichische Medienverlag Papperlapapp. 

Aus einer kinderrechtlichen Perspektive gibt es viele Anknüpfungspunkte zu Mehrsprachigkeit, wie das Recht auf Zugang zu Medien in der eigenen Sprache, festgeschrieben in Artikel 17 der UN-Kinderrechte. Bildungseinrichtungen können diesen Auftrag umsetzen, indem sie mehrsprachige Kinder- und Jugendbücher, Hörbücher, Filme, Podcasts und Medienprojekte in ihre Bestände in Bibliotheken, Jugend(medien)zentren und Offenen Treffs aufnehmen. Bei mehrsprachigen Angeboten sollten auch die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen gemäß Artikel 23 der UN-Kinderrechte berücksichtigt werden – etwa durch Leichte Sprache in Kombination mit Mehrsprachigkeit und durch visuelle und musikalische Ausdrucksformen, die weniger sprachabhängig sind. 

Projekte und Einrichtungen der außerschulischen und Kulturellen Bildung bieten vielfältige Möglichkeiten und Anlässe, um die Mehrsprachigkeit junger Menschen in Angeboten, Medien und Beteiligungsgelegenheiten aufzugreifen und sichtbar zu machen. Jugendbegegnungen in verschiedenen Ländern Europas und Angebote der Kulturellen Bildung schöpfen ihren besonderen Charakter aus den Begegnungen junger Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen – das Recht auf Bildung und die damit verbundenen Bildungsziele, wie die Wertschätzung der eigenen Mehrsprachigkeit und Neugier auf sprachliche Vielfalt insgesamt werden auf diese Weise gestärkt. 

Kinder und junge Menschen haben ein Recht auf Teilnahme und Teilhabe am kulturellen Leben (Artikel 31 der UN-Kinderrechte), ohne hierfür bestimmte – zum Beispiel sprachliche – Voraussetzungen erfüllen zu müssen. Angebote und Formate der Kulturellen Bildung bieten vielfältige Möglichkeiten, um Mehrsprachigkeit als Ressource zu nutzen, wie Svetlana Schwald, Mitgründerin der Kinder- und Jugendbibliothek Totschka e.V. berichten kann: 

„In unserer Bibliothek erleben wir täglich, was passiert, wenn Kinder Bücher in ihren Familiensprachen finden: Sie greifen selbstbewusst zu, empfehlen einander Bücher und werden neugierig auf die Sprachen der anderen. Mehrsprachigkeit ist deshalb kein Zusatzangebot, sondern eine Voraussetzung für echte Teilhabe. Die Herausforderung liegt oft nicht bei den Kindern, sondern in den Strukturen: Es fehlen aktuelle Bücher, verlässliche Förderung und Fachkräfte, die verschiedene Sprachen einbeziehen können. Außerschulische Bildungsorte können Räume schaffen, in denen jede Sprache willkommen ist – und Kinder mit ihrem ganzen Wissen sichtbar werden.” 

Totschka e.V. engagiert sich bei JunOst e.V./in der djo – Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V., einer Mitgliedsorganisation des Netzwerks Kinderrechte. 

Die mehrsprachigen Kinder- und Jugendmedien werden auf dem Kinderrechte-Portal vorgestellt.