Baobab Books ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in der Schweiz. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die kulturelle Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur zu fördern. Dazu publizieren wir seit 35 Jahren ein eigenes Buchprogramm und engagieren uns auf vielfältige Weise in der interkulturellen und mehrsprachigen Leseförderung.
Wir nehmen in unserer Arbeit Bezug auf das in der UN-Kinderrechtskonvention formulierte «Recht auf Gleichbehandlung» aber auch das «Recht auf Vielfalt» und das «Recht auf Kultur». Mit unseren Aktivitäten in den Bereichen literale Förderung und interkultureller Dialog wirken wir auf eine Gesellschaft hin, in der Kinder und Jugendliche jeglicher Herkunft, sozialer Schicht, ethnischer oder kultureller Zugehörigkeit die Möglichkeit haben, sich sozial zu verwurzeln, gehört zu werden, ohne Benachteiligung an der Gemeinschaft teilzuhaben und einen Lebensperspektive zu entwickeln.
Das Buchprogramm
Poetisch, kunstvoll, vielfältig und überraschend: Im Verlagsprogramm von Baobab Books erscheinen Bilderbücher, Kindergeschichten und Jugendromane aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien. Aber auch Stimmen aus dem Nahen Osten und den Rändern Europas sind im Programm vertreten. Jedes dieser Bücher steht in einem bestimmten kulturellen und sprachlichen Kontext, manche erscheinen zudem zweisprachig.
Brücken zwischen Sprachen und Kulturen
So unterschiedlich die Werke bezüglich ihrer Themen und Gestaltung sind, sie alle bauen Brücken zwischen den Kulturen und zeigen auf, was das Verbindende zwischen den Menschen ist.
So erzählt etwa die nordamerikanische indigene Cree-Illustratorin Julie Flett im Bilderbuch Wieder da! von der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft – in diesem Fall im Skaterpark – und lässt dabei identitätsstiftende Ausdrücke aus der Cree-Sprache einfließen, die auch in der deutschen Übersetzung sichtbar sind.
Der iranische Illustrator Reza Dalvand hat einen persischen Abzählreim, den im Iran sprichwörtlich jedes Kind kennt, auf seine Weise interpretiert. Plitsch, platsch, pitsch, patsch lautet die deutsche Übersetzung des Fingerspiels, der persische Originaltext ist dabei geschickt in die Illustration eingeflochten. Interessantes Detail: Auf Persisch beginnt man mit dem kleinen Finger zu zählen.
In der Graphic Novel Tsai Kun-lin folgen wir der Lebenslinie eines Taiwaners, der seine Kindheit unter japanischer Kolonialherrschaft verbringt und dann als Jugendlicher einen abrupten Regimewechsel miterlebt. Über Nacht müssen die Menschen Chinesisch sprechen – dabei ist ihre Sprache eigentlich Taiwanisch. Weil er die «falschen» Bücher gelesen hat, wurde Tsai Kun-lin mit 19 Jahren verhaftet und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die biografische Geschichte zeigt anschaulich, was es heißt, wenn Sprache als Herrschaftselement eingesetzt wird.
Literatur hat auch die Kraft, über das Unfassbare zu sprechen. Im Roman «Am Ende des Sommers» der Japanerin Kazumi Yumoto fragen sich drei Freunde anlässlich einer Beerdigung, wie es wohl ist, wenn man stirbt. Gemeinsam hecken sie einen Plan aus, um eine Antwort auf diese schier unbeantwortbare Frage zu finden. Ein feinfühliger und lebensfreudiger Roman für jugendliche Leserinnen und Leser, der anregt, eine Sprache für das scheinbar Unaussprechbare zu finden.
Und wenn wir noch auf die andere Seite des Pazifiks reisen, lernen wir den 10-jährigen Pedro kennen. Er lebt in Bogotà, träumt vom Meer. Seine erste Reise dorthin verläuft dann allerdings ganz anders, als er sich das vorgestellt hat … «Das Glück ist ein Fisch» heisst die Erzählung der kolumbianischen Autorin Melba Escobar de Nogales. Sie erzählt in dieser Geschichte von den Nöten eines Kindes, das sich von den Erwachsenen nicht ernst genommen fühlt und vor lauter Enttäuschung und Sprachlosigkeit blindlings davonrennt. Eine unverhoffte Begegnung mit einem alten kreolischen Seemann eröffnet dem Jungen nicht nur eine neue Freundschaft und neue Sprachnuance, sondern ermöglicht ihm vor allem, eine Sprache für seine Gefühle zu finden.
Engagiert in der Vermittlung
Die hier genannten Bücher sind nur einige Beispiele dafür, wie wichtig sprachliche Identität und Ausdrucksfähigkeit sind. Gerade Kinder- und Jugendliteratur kann junge Menschen bei der Sprachfindung unterstützen. Baobab Books versteht Sprache immer als integrales Element persönlicher und kultureller Identität und engagiert sich deshalb auch in der interkulturellen Leseförderung und in der Literaturvermittlung.
Der von uns herausgegebene Empfehlungskatalog Kolibri ist eine Handreichung für Familien, Schulen, Bibliotheken und weiteren Institutionen, die Bücher für Kinder und Jugendliche auswählen. Jedes Jahr erscheinen neue Leseempfehlungen rund um den Themenkreis der kulturellen Identität und des interkulturellen Dialogs. Eine Onlinedatenbank ergänzt das gedruckte Verzeichnis.
Für die Leseförderung im Schulunterricht bieten wir zudem kostenlose Unterrichtsmaterialien zu ausgewählten Büchern an. Viele davon sind mit Audios ergänzt. Im Weiteren führen wir interkulturelle Leseanimation durch, organisieren Autorinnen und Autoren für Lesereisen, sind in der Aus- und Fortbildung für Lehrpersonen engagiert. Und vor allem entwickeln wir immer wieder neue partizipative Formate, um Kinder und Jugendliche die vielstimmige und vielsprachige Welt der Literatur zu eröffnen – eine Welt, die ihnen hilft, ihre eigene Sprache zu finden.

Sonja Matheson ist Geschäfts- und Programmleiterin von Baobab Books. Die gemeinnützige Organisation hat ihren Sitz in Basel.
Mehrsprachige Kinderbücher, die bei Baobab Books erschienen sind, werden auf dem Kinderrechte-Portal vorgestellt.


