BeteiligungUN-Kinderrechtskonvention

Rückblick: Fachtag „Kinderrechte verwirklichen“ am 13. September in Hamburg

Bei gleich zwei Veranstaltungen der National Coalition Deutschland ging es am 13.September 2016 um die Kinderrechte und die Frage, wie sich diese besser im Alltag verwirklichen lassen. Der Fachtag „Kinderrechte verwirklichen“, den die National Coalition in Kooperation mit der Deutschen Liga für das Kind, den Elbkindern – Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten gGmbH, der Lindenstiftung für vorschulische Erziehung, der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und SOS-Kinderdorf e.V. durchführte und der sich durch interessante Diskussionen und praxisorientierte Redebeiträge auszeichnete, lockte rund 130 Gäste aus Kitas, Schulen, Kinder- und Jugendhilfe, aus Politik, Verwaltung und dem Gesundheitswesen und aus den Reihen der Mitglieder der National Coalition in die Hansestadt Hamburg.

Die Beiträge der Referentinnen und Referenten waren ebenso vielschichtig wie inspirierend. Auf der Grundlage, dass derzeit ein Wandel festzustellen ist, von einem an den kindlichen Bedürfnissen (Needs based Approach) zu einem an den Rechten des Kindes orientierten Ansatz (Rights based Approach), wurden bei dem Fachtag „Kinderrechte verwirklichen“ die Auswirkungen auf die praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen genauer untersucht.

„Kinderrechte sind kein Sahnehäubchen für eine glückliche Kindheit“

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag sprach einführend zur „Historie und Einbettung der Kinderrechte“. Göring-Eckardt forderte, dass gesellschaftliche Entscheidungen mit den Augen von Kindern geprüft werden. So habe Deutschland zwar die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert, doch von der Umsetzung sei man “im Wort und im Geist weit entfernt“. Zum Beispiel müssten Kinder mit Migrationshintergrund in Schulbüchern endlich angemessen repräsentiert sein. Ebenso solle in Lehrmaterialien die Unterschiedlichkeit der Familien besser dargestellt werden. Sie kündigte im Rahmen des Fachtags an, dass es noch in dieser Legislaturperiode einen Gesetzesentwurf der Grünen-Bundestagsfraktion geben solle: „Wir brauchen die Klärung der Kinderrechte im Grundgesetz.“ Festgehalten werden müsse das Recht eines jeden Kindes auf Förderung und Entwicklung seiner Persönlichkeit. Kinderrechte seien kein “Sahnehäubchen auf eine glückliche Kindheit“, so Göring-Eckardt.

Hier geht es zum Fachreferat von Katrin Göring-Eckardt.

Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit, Fachhochschule Coburg und Vorsitzende des Beirats der National Coalition, betonte in ihrem Vortrag, die UN-Kinderrechtskonvention als der einzige weltweit gültige Menschenrechtsvertrag zum Schutz und zur Förderung von Kinderrechten sei einmalig. Von der UN-KRK ginge ein Paradigmenwechsel aus: „Kinder sind Rechtssubjekte, nicht nur Schutzobjekte- beide Perspektiven sind wichtig und unverzichtbar und beide Perspektiven sind leider weit davon entfernt realisiert zu werden.“ In diesem Zusammenhang verweist sie auf ein Zitat von Lothar Krappmann aus seinem Manifest zu Kinderrechten, Demokratie und Schule[1]: „Die Kinderrechte sind politisch nicht so wirksam geworden, wie wir uns das wünschen. Es braucht eine gemeinsame Strategie aller Engagierten, um sie besser politisch zur Geltung bringen zu können“.

Professor Dr. Claudia Wiesemann, Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen, referierte als Medizinethikerin zur Frage, wann und wie weit Kinder und Jugendliche an medizinischen Entscheidungen teilhaben sollen. Ein zu berücksichtigender Kindeswille äußert sich laut Prof. Dr. Wiesemann demnach wie folgt:

„Nachdrückliche Meinungsäußerung des Kindes, die wiederholt vorgetragen wird, für das Kind eine besondere emotionale Bedeutung hat und deren Nichtbeachtung die Selbstachtung des Kindes untergraben würde“.

Prof. Dr. Wiesemann plädierte in Ihrem Vortrag unter anderem für eine mehr kinderfreundliche Infrastruktur, kindgerechtes Aufklärungsmaterial und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder, um die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an medizinischen Entscheidungen zu gewährleisten.

Dr. Melanie Leonhard, Senatorin der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration in Hamburg, gab einen Einblick in die politischen Vorgänge auf Landesebene zum Thema Kinderrechte, indem Sie über die positive Umsetzung des Kinderrechte-Ansatzes in Hamburg berichtete. Die Diskussion zu den spezifischen Themenfeldern Bildung, Gesundheit und Familie, wurde anschließend angeregt in den einzelnen Workshop-Gruppen weitergeführt.

Der Fachvortrag zum Thema ‚Der Kinderrechteansatz und seine Bedeutung für die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen‘ von Oggi Enderlein, Initiative für Große Kinder e.V., kann hier eingesehen werden.


[1] : Lothar Krappmann, Christian Petry (Hrsg.): Worauf Kinder und Jugendliche ein Recht haben (2016): S.14

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