Beteiligung ist ein Kinderrecht
Mit unserer Kampagne #NichtOhneUns – Echt gehört, nicht nur angehört machen wir das Recht auf Beteiligung sichtbar, um dazu beizutragen, dass Kinder und Jugendliche wirksam auf allen Ebenen und in allen sie betreffenden Bereichen beteiligt werden. Ab Juli 2026 zeigen wir, wie gute Kinder und Jugendbeteiligung aussieht, was sie braucht und wo sie bereits gelingt.
Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, gehört und ernst genommen zu werden – und darauf, dass ihre Meinung bei Entscheidungen zählt, die sie betreffen. Die Umsetzung ist kein „Extra“, keine optionale Geste, die von Erwachsenen gewährt wird, wenn es gerade passt. Beteiligung ist ein Kinderrecht und in Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben.
Mit dieser Kampagne beschäftigen wir uns mit unterschiedlichen Aspekten von Kinder- und Jugendbeteiligung, zeigen gute Praxisbeispiele, stellen Materialien vor, kommen mit Expert:innen ins Gespräch und schaffen Raum für die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen selbst. Dabei vermitteln wir Wissen über Beteiligungsrechte, geben praktische Anregungen für die Umsetzung guter Beteiligung und leisten dazu einen Beitrag, die Rahmenbedingungen für Beteiligung langfristig zu stärken. Denn obwohl Beteiligung seit vielen Jahren als wichtig anerkannt wird, erleben viele junge Menschen noch immer, dass über sie statt mit ihnen entschieden wird. Genau hier setzt unsere Kampagne an. Kinder und Jugendliche sind dabei nicht nur Thema der Kampagne, sondern gestalten sie aktiv mit. Sie bringen ihre Perspektiven und Ideen ein und wirken an verschiedenen Formaten und Inhalten mit. Denn eine Kampagne über Beteiligung sollte Beteiligung nicht nur fordern, sondern auch selbst leben.
Aber was bedeutet Beteiligung konkret?
Beteiligung ist nicht nur ein einzelnes Recht neben vielen anderen. Das Recht auf Beteiligung (Artikel 12) gehört zu den vier Grundprinzipien der UN-Kinderrechtskonvention. Gemeinsam mit dem Recht auf Nichtdiskriminierung (Artikel 2), dem Vorrang des Kindeswohls (Artikel 3) sowie dem Recht auf Leben und Entwicklung (Artikel 6) bildet es den Rahmen für die Auslegung und Umsetzung aller weiteren Kinderrechte. Beteiligung trägt wesentlich dazu bei, dass Kinderrechte wirksam verwirklicht werden können. Denn nur wenn Kinder und Jugendliche ihre Perspektiven einbringen können bei Entscheidungen, die sie betreffen, lässt sich feststellen, was in ihrem Interesse ist.
Beteiligung bedeutet weit mehr als nur gefragt zu werden. Kinder und Jugendliche sollen nicht lediglich anwesend sein oder ihre Meinung äußern dürfen. Sie sollen echte Möglichkeiten haben, Entscheidungen mitzugestalten und Einfluss zu nehmen. Dabei geht es nicht nur um politische Entscheidungen. Beteiligung gehört in den Alltag von Kindern und Jugendlichen: in Familien, Kitas, Schulen, Jugendverbände, Freizeiteinrichtungen, Kommunen und in politische Prozesse auf allen Ebenen. Dort, wo junge Menschen leben, lernen und ihre Freizeit verbringen, müssen ihre Perspektiven berücksichtigt werden.
Echt gehört – nicht nur angehört
Aber nicht jede Beteiligung ist automatisch gute Beteiligung. Kinder und Jugendliche merken sehr schnell, ob ihre Meinung tatsächlich Einfluss hat oder ob sie nur symbolisch beteiligt werden. Wenn Beteiligung lediglich auf dem Papier stattfindet, ohne Rückmeldung oder echte Wirkung, entsteht Frustration.
Gute Beteiligung braucht deshalb klare Qualitätsmerkmale:
- Transparenz darüber, worüber entschieden werden kann.
- Echte Einflussmöglichkeiten statt Alibi-Beteiligung.
- Verlässliche und langfristige Strukturen.
- Altersgerechte Methoden.
- Barrierefreiheit und Inklusion.
- Feedback darüber, was mit den eingebrachten Ideen passiert.
- Kinder- und Jugendbeteiligung muss alle jungen Menschen erreichen, unabhängig von Alter, Herkunft, Behinderung, Geschlecht, sozialem Hintergrund oder anderen Merkmalen. Beteiligung darf niemanden ausschließen.
#NichtOhneUns
Der Titel unserer Kampagne ist zugleich eine klare Botschaft: Nicht ohne uns.
Wenn über Kinder und Jugendliche entschieden wird, ohne sie einzubeziehen, fehlen wichtige Perspektiven. Entscheidungen können an ihren Bedürfnissen vorbeigehen oder wichtige Aspekte übersehen. Kinder- und Jugendbeteiligung trägt dazu bei, dass Entscheidungen gerechter, passgenauer und zukunftsorientierter werden.
Gleichzeitig ist Beteiligung nicht nur für die Qualität von Entscheidungen wichtig. Wenn Kinder und Jugendliche erleben, dass ihre Meinung zählt und tatsächlich etwas bewirken kann, machen sie wichtige Erfahrungen von Selbstwirksamkeit. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten, eigene Interessen zu vertreten und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Beteiligung ist deshalb immer auch Demokratiebildung.
Davon profitieren nicht nur Kinder und Jugendliche selbst. Auch Politik, Verwaltung, Bildungseinrichtungen, Vereine und Organisationen treffen bessere Entscheidungen, wenn sie die Erfahrungen derjenigen einbeziehen, die von den Ergebnissen betroffen sind. Beteiligung schafft Verständnis, erhöht die Akzeptanz von Entscheidungen und stärkt das Vertrauen in demokratische Prozesse.
Trotzdem zeigen viele Erfahrungen und Studien, dass Beteiligungsmöglichkeiten in Deutschland noch immer nicht selbstverständlich sind. Oft fehlen geeignete Strukturen, ausreichende Ressourcen oder die Bereitschaft, Entscheidungsmacht tatsächlich zu teilen. Genau deshalb sagen wir: #NichtOhneUns. Denn gute Entscheidungen über das Leben junger Menschen können nur gemeinsam mit ihnen getroffen werden.
Wie ist unsere Kampagne aufgebaut
Oft wird über Kinder- und Jugendbeteiligung gesprochen, als gäbe es dafür eine einzige Lösung. Tatsächlich unterscheiden sich die Möglichkeiten, Bedürfnisse und Rahmenbedingungen jedoch je nach Alter erheblich.
Jugendliche können andere Formen der Mitbestimmung nutzen als Grundschulkinder. Junge Kinder beteiligen sich anders als Jugendliche. Und auch Säuglinge und Kleinkinder haben Möglichkeiten, ihre Bedürfnisse, Interessen und Perspektiven auszudrücken, wenn Erwachsene bereit sind, diese wahrzunehmen und ernst zu nehmen.
Deshalb widmen wir die kommenden Monate jeweils unterschiedlichen Altersgruppen:
- Juli: Beteiligung ist ein Kinderrecht – Einführung in das Thema
- August: Jugendliche gestalten (ca. 13–18 Jahre)
- September: Kinder entscheiden (ca. 6–12 Jahre)
- Oktober: Junge Kinder beteiligen sich (ca. 3–6 Jahre)
- November: Beteiligung von Anfang an (ca. 0–3 Jahre)
- Dezember: Rückblick und Ausblick
Alter ist aber nur einer von vielen Faktoren, die beeinflussen, ob Kinder und Jugendliche ihre Beteiligungsrechte tatsächlich wahrnehmen können. Barrieren, Diskriminierungserfahrungen, sprachliche Hürden, Behinderungen, Armut oder fehlende Zugänge zu Beteiligungsangeboten können dazu führen, dass bestimmte Kinder und Jugendliche seltener gehört werden oder ganz ausgeschlossen werden. Deshalb nehmen wir im Verlauf der Kampagne nicht nur unterschiedliche Altersgruppen in den Blick, sondern stellen uns auch die Frage, welche Kinder und Jugendlichen in Beteiligungsprozessen häufig nicht mitgedacht werden und was es braucht, damit Beteiligung wirklich alle erreicht.
Was erwartet euch konkret?
In den kommenden Monaten erwarten euch unterschiedliche Formate für Fachkräfte, Multiplikator:innen, Entscheidungsträger:innen und alle, die Kinder- und Jugendbeteiligung stärken möchten:
- verständliche Erklärungen zu Kinder- und Jugendbeteiligung,
- Blogbeiträge zu den jeweiligen Monatsthemen,
- Materialsammlungen vom Kinderrechte-Portal,
- Interviews und Gastbeiträge,
- digitale Veranstaltungen und eine Präsenzveranstaltung im September in Berlin,
- Beispiele gelungener Beteiligung aus der Praxis,
- Beiträge von Kindern und Jugendlichen selbst.
Materialsammlungen vom Kinderrechte-Portal
Passend zum jeweiligen Thema stellen wir jeden Monat ausgewählte Bildungsmaterialien aus dem Kinderrechte-Portal vor. Zum Start der Kampagne gibt es erste Einblicke in das Thema Kinder- und Jugendbeteiligung:
- Dafür lohnt sich zunächst ein Blick in die Allgemeine Bemerkung Nr. 12.
- In dem Sammelband Jugendbeteiligung auf Bundesebene werden theoretische Grundlagen der Jugendbeteiligung mit praktischen Erfahrungen und Herausforderungen verbunden.
- Ein aktuelles Thema ist die Umsetzung von Partizipation im Ganztag.
- In Partizipation und digitale Medien kann nachgelesen werden, welche Bedeutung digitale Medien für die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen haben.
- Dein Recht auf Partizipation ist ein Leitfaden, der mit Vertreter:innen der Selbsthilfe junger Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen verfasst wurde.
- Perspektiven junger Menschen, die sich weltweit für die Umsetzung von Beteiligung einsetzen, sind in den Broschüren Engaged and Heard! Guidelines on Adolescent Participation and Civic Engagement und Dein Advocacy-Leitfaden voller Ideen und Erfahrungen von Kindern aus der ganzen Welt! zu finden.
Best Practice Beispiele guter Beteiligung
Gute Kinder- und Jugendbeteiligung findet bereits an vielen Orten in Deutschland statt. In Kitas, Schulen, Jugendverbänden, Kommunen, Vereinen und zahlreichen Projekten bringen Kinder und Jugendliche ihre Perspektiven ein und gestalten Entscheidungen aktiv mit. Diese Erfahrungen und Ideen möchten wir im Rahmen unserer Kampagne sichtbar machen. Dafür tragen wir auf unserer Webseite eine Sammlung von gelungenen Projekten, Methoden und Beteiligungsformaten zusammen, um Wissen zu teilen und andere zur Umsetzung eigener Beteiligungsprozesse zu inspirieren. Denn gute Beispiele zeigen, wie Beteiligung konkret gelingen kann, welche Herausforderungen dabei entstehen und welche Lösungsansätze sich in der Praxis bewährt haben.
Besonders spannende Beispiele stellen wir im Laufe der Kampagne auf unseren Social-Media-Kanälen, im Newsletter und auf unserem Blog vor.
Wir sammeln während der gesamten Kampagne sowohl bereits abgeschlossene Projekte als auch aktuelle oder geplante Beteiligungsvorhaben. Wenn ihr ein Projekt, eine Methode oder ein Beteiligungsformat kennt, das Kindern und Jugendlichen echte Mitgestaltung ermöglicht, freuen wir uns über euren Hinweis.
Hier könnt ihr euer Beispiel einreichen: https://form.jotform.com/261123726332045
Beteiligung geht uns alle an
Kinder und Jugendliche sind nicht nur die Zukunft, sie sind Teil der Gegenwart. Ihre Perspektiven gehören in Entscheidungen hinein, die ihr Leben heute und morgen betreffen.
Mit unserer Kampagne möchten wir dazu beitragen, Beteiligung als selbstverständlichen Bestandteil unseres gemeinsamen Alltags zu stärken.
Oder kurz gesagt:
Nicht ohne uns. Echt gehört, nicht nur angehört.


