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Meet&Greet: Mentale Gesundheit von konfliktbetroffenen Kindern stärken – Einblick in TeamUp

Am 18.05.2026 präsentierten Claudio Carrasco und Katharina Roß von War Child Deutschland ihre Arbeit mit konfliktbetroffenen Kindern. Schwerpunkt war die Vorstellung der Methode „TeamUp“, welche die mentale Gesundheit von geflüchteten Kindern in Hamburg und Berlin fördert. 

Ausgangslage und Relevanz 

Die Zahl der von bewaffneten Konflikten betroffenen Kinder hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zugenommen. Ende 2024 lebten weltweit rund 520 Millionen Kinder in Konfliktgebieten, mehr als jedes fünfte Kind und mehr als doppelt so viele wie Mitte der 1990er Jahre. Zusätzlich verschärfen Klimakrise, Ernährungsunsicherheit und globale Krisen die Situation. Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen: Sie erleben Gewalt, Verlust, Vertreibung und eingeschränkten Zugang zu Bildung sowie starke psychosoziale Belastungen. Geflüchtete Kinder leben oft langfristig in Unsicherheit, Stress und Isolation. Psychische Folgen können Angststörungen, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen sein. Bekannte Schutzfaktoren, die dem entgegenwirken, sind unter anderem stabile Beziehungen, Spiel, Bewegung und sichere Räume. 

Hintergründe und Auswirkungen von Flucht auf Kinder und Jugendliche in Deutschland 

In Deutschland leben rund 3,4 Millionen Schutzsuchende, etwa die Hälfte davon Kinder. 2025 kamen zusätzlich 236.678 minderjährige Geflüchtete hinzu. Diese Kinder sind oft belastet durch unsicheren Aufenthaltsstatus, Gewalt in Unterkünften, Diskriminierung, beengte Wohnverhältnisse, eingeschränkten Zugang zu Bildung und Gesundheit sowie Benachteiligung im Alltag. Daraus können Depressionen, Angststörungen oder posttraumatische Belastungsstörungen, Entwicklungsstörungen, soziale Isolation, Schwierigkeiten in der Schule, mangelnde Perspektiven oder eine instabile Identitätsentwicklung resultieren. Es besteht ein Bedarf an besseren nationalen und internationalen Unterstützungsstrukturen. 

Wer ist War Child?

War Child ist eine internationale Organisation, die von Konflikten und Kriegen betroffene Kinder seit mehr als 30 Jahren unterstützt. Heute ist die Organisation in 18 Ländern aktiv und erreichte 2025 über 1 Million Menschen. Ziel ist die nachhaltige Stärkung von Kinderschutz- und Unterstützungssystemen. War Child Deutschland wurde 2019 gegründet. Schwerpunkt ist die Implementierung des Programms „TeamUp“ in Berlin und Hamburg sowie die Unterstützung der internationalen Programme. 

 

Arbeitsweise und Ansatz 

Die Arbeit von War Child basiert auf wissenschaftlich fundierten und evidenzbasierten Methoden. Diese verbinden psychosoziale Unterstützung, Bildung und Kinderschutz in einem integrierten Ansatz („Care System Approach“). Ziel ist es, nicht nur einzelne Symptome zu behandeln, sondern das Umfeld von Kindern nachhaltig zu stärken. War Child entwickelt und evaluiert unterschiedliche Methoden, die auf verschiedene Zielgruppen wie Kinder, Familien, Lehrkräfte und lokale Gemeinschaften zugeschnitten sind. Die Programme schaffen sichere Räume, in denen Kinder spielen, lernen, Beziehungen aufbauen und psychosoziale Stabilität entwickeln können. Kreative und bewegungsorientierte Ansätze – etwa Musik, Spiel und Sport – fördern soziale Kompetenzen, Stressregulation und Resilienz. Nach erfolgreicher wissenschaftlicher Evaluation werden die Methoden auch von Partnerorganisationen und staatlichen Institutionen genutzt, darunter beispielsweise UNICEF, SOS-Kinderdörfer und das ukrainische Bildungsministerium. 

 

Die Methode TeamUp 

Hintergründe 

TeamUp wurde 2015 als psychosoziale Intervention (MHPSS) gemeinsam mit UNICEF und Save the Children entwickelt. Es wird in 26 Ländern weltweit eingesetzt. Das Programm nutzt Spiel, Bewegung und Gruppenaktivitäten, um die Resilienz der Kinder zu stärken und ihren Stress zu reduzieren. Es richtet sich an Kinder von 6–17 Jahren in und aus Kriegsgebieten. Die einstündigen TeamUp-Sessions werden von ausgebildeten TeamUp-Moderator*innen begleitet und finden einmal in der Woche, immer zur gleichen Zeit, immer mit dem gleichen Team in Unterkünften oder Camps für geflüchtete Menschen statt. Besonders wichtig ist, dass die Sessions strukturiert sind und festen Abläufen folgen. Die nonverbalen Ausdrucksformen ermöglichen es den Kindern, unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund, ihren verschiedenen Sprachen und Fähigkeiten an dem Programm teilzunehmen. Jede TeamUp-Session widmet sich einem psychosozialen Thema, wie zum Beispiel Wut, Angst oder Streit, ebenso werden Selbstwirksamkeit, Gruppenfähigkeit oder Freundschaft gefördert.  

Wirkung 

TeamUp ist ein langfristig angelegtes Programm und kann so am besten seine Wirksamkeit entfalten. Studien zeigen folgende positive Effekte:
• besseres emotionales Wohlbefinden
• weniger traumatischer Stress
• höhere Lebensqualität und Schulzufriedenheit
• stärkere soziale Bindungen
• mehr Selbstwirksamkeit 

TeamUp in Deutschland 

Seit 2022 läuft TeamUp in Hamburg und Berlin in Unterkünften und Schulen. 2025 wurden rund 346 Kinder erreicht. Etwa 50 ehrenamtliche Moderator*innen und 4 Trainer*innen sind aktiv im Einsatz. Voraussetzung ist eine zweitägige Ausbildung mit Fokus auf Methode, Kinderschutz und praktische Umsetzung. Die Sessions finden im Team statt und werden regelmäßig begleitet und supervidiert.

Wie stärkt TeamUp die Kinderrechte? 

TeamUp stärkt Kinderrechte, indem es mehrere zentrale Rechte praktisch umsetzt. Kinder werden aktiv in die Aktivitäten einbezogen und erleben dabei Selbstwirksamkeit, wodurch ihr Recht auf Beteiligung gefördert wird. Durch Bewegung, Spiel und nonverbale Ausdrucksformen können sie sich unabhängig von Sprache oder Herkunft ausdrücken, was ihr Recht auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit stärkt. Gleichzeitig schafft TeamUp sichere Räume, die Stress reduzieren und damit zum Schutz vor Gewalt beitragen. Darüber hinaus steht das Recht auf Spiel und Erholung im Zentrum des Programms. 

In der abschließenden Diskussion wurde die zentrale Bedeutung des Themas mentale Gesundheit von Kindern und die Wertschätzung für evidenzbasierte Methoden wie TeamUp deutlich. Gleichzeitig wurde sich mit Hinblick auf die Herausforderungen bei der Arbeit in Geflüchtetenunterkünften ausgetauscht, die von sich stetig verändernden Rahmenbedingungen geprägt ist.