Heute, am 20. März, ist der internationale Kinder- und Jugendtheatertag. Theater als künstlerische Praxis und Ort der Kulturellen Bildung ermöglicht es jungen Menschen, in andere Rollen zu schlüpfen und sich auszuprobieren oder aber als junges Publikum Fragen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im theatralen Spiel auf der Bühne zu sehen. Zentral für die Teilhabe junger Menschen am kulturellen Leben ist Artikel 31 der UN-Kinderrechte – das Recht auf Spiel, Freizeit und Kultur.
Für Lehrer:innen, pädagogische Fachkräfte und kulturelle Bildner:innen bietet der Tag Anlass, Theater nicht nur als künstlerische Praxis, sondern auch als wichtigen Ort zur Umsetzung von Kinderrechten zu betrachten. In unserem Materialpaket zu Kinderrechten und Theater finden sich Fachinformationen zur Beteiligung junger Menschen im Theater sowie eine breite Auswahl an theaterpädagogischen Methoden für unterschiedliche Altersgruppen, in denen Kinderrechte aufgegriffen, gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden.
In diesem Artikel stellen wir die Kinderrechte vor, die sich auch in unserer Materialsammlung wiederfinden:
Das Recht auf Spiel und Kultur, festgelegt in Artikel 31 der UN-Kinderrechte, wird in dem praxisnahen Theaterstück KIRA macht Kinder stark umgesetzt: Die junge Hauptfigur KIRA vermittelt die Kinderrechte. Schüler:innen können Alltagssituationen nachspielen, in denen ihre Rechte geachtet oder verletzt werden. Beim Kasperltheater der Menschenrechtsbildung wird vor allem das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Verbot der Diskriminierung behandelt. Den Kindern kommt bei der Befreiung des Kasperls eine entscheidende Rolle zu und sie erleben dadurch, dass sie Ungerechtigkeiten nicht ohnmächtig gegenüberstehen müssen. In dem Buch Theaterspielen in Krippe und Kindergarten wird praxisnah vermittelt, wie aus dem improvisierten Spiel mit Kindern ab zwei Jahren – von den Themen und Ideen der Kinder selbst ausgehend – Theaterstücke entstehen können.
Artikel 12 der UN-Kinderrechte ist das Recht von jungen Menschen, sich zu beteiligen. In Probenprozessen, Diskussionen über Stücke oder partizipativen Projekten lernen junge Menschen, ihre Meinung zu formulieren und Entscheidungen in der Gruppe zu treffen. Theater bietet damit einen geschützten Rahmen, in dem Mitbestimmung praktisch geübt werden kann. In dem Handbuch Kinder bEraten Erwachsene wird erklärt, wie Kinderbeiräte in kulturellen Einrichtungen aufgebaut und begleitet werden können. Die Gesprächskarten mit+mischen sind ein Kartenset, das junge Menschen dabei unterstützt, sich aktiv in die Mitgestaltung von Theatern und Festivals einzubringen. In dem Artikel Parität als Auftakt wird die Zusammenarbeit von Kindern und Erwachsenen in der Jury des Deutschen Kinder-Theater-Fests untersucht, bei dem Kinder und Erwachsene gemeinsam in einer Jury über Theaterstücke entschieden. Beim Forumtheater mit Kinderrechten wurde die Methode aus dem Theater der Unterdrückten auf den Kontext der Kinderrechte angepasst, um junge Menschen ab etwa 8 Jahren zu stärken, eigene Interessen und Kinderrechte zu erkennen und sich dafür einzusetzen. Auf der Website von Machmamit! gibt es eine umfangreiche Karte mit Einrichtungen und Orten in ganz Deutschland, die kulturelle Angebote für und mit Kindern und jungen Menschen umsetzen.
Das Theater kann ein Raum sein, in dem Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention – das Recht auf Nicht-Diskriminierung – erlebbar wird. Auf der Bühne finden unterschiedliche Perspektiven, Lebensrealitäten und Identitäten Platz. Wenn Kinder und Jugendliche eigene Geschichten erzählen oder Figuren verkörpern, werden Vielfalt und Gleichwertigkeit sichtbar und erfahrbar. Junge Menschen und Theatermacher:innen sprechen in dem Podcast Machtspiele im Theater darüber, wie Beteiligung, Machtteilung und Zusammenarbeit im Theater gelingen können, wenn traditionelle hierarchische Strukturen hinterfragt werden. In dem Band Theater als außerschulischer und außeruniversitärer Lernort wird anhand eines Praxisprojekts beschrieben, wie Studierende und Theater zusammenarbeiten, um gesellschaftliche Themen wie Diversität, Teilhabe und Perspektivwechsel zu reflektieren.
Das Recht auf Bildung gemäß Artikel 28 und die Bildungsziele, festgeschrieben in Artikel 29 der UN-Kinderrechte werden in der Theaterarbeit mit jungen Menschen ebenfalls umgesetzt: Theaterarbeit fördert nicht nur ästhetische Kompetenzen, sondern auch Empathie, kritisches Denken, Teamarbeit und Perspektivwechsel. Es erweitert Bildungsräume über das Klassenzimmer hinaus und verbindet künstlerisches Lernen mit sozialem Lernen. In dem Band Mit Kultureller Bildung Räume für Demokratiebildung öffnen wird anhand unterschiedlicher Perspektiven dargestellt, weshalb Kulturelle Bildung als selbstverständlicher Teil von Bildungsprozessen verstanden und gefördert werden muss. In dem Handbuch #theatre.makes.politics werden theaterpädagogische Methoden vorgestellt, die demokratisches Engagement fördern und gezielt gegen antidemokratische Kräfte wirken. In der Studie Theaterpädagogik und Globales Lernen wird untersucht, wie theaterpädagogische Projekte mit jungen Menschen einen Beitrag zu Bildung für nachhaltige Entwicklung leisten können.
Theater kann zur Umsetzung von Artikel 24 – dem Recht auf Gesundheit und Wohlbefinden in den UN-Kinderrechten – beitragen. Kreative Räume ermöglichen Ausdruck von Gefühlen, stärken Selbstvertrauen und können einen sicheren Ort bieten, in dem Jugendliche Belastungen reflektieren und Resilienz entwickeln. In dem Artikel Das Theater war für mich immer ein sicherer Ort werden die Ergebnisse des Projekts MindCare zur Bedeutung kultureller Bildung für die mentale Gesundheit junger Menschen beschrieben. So helfen kreative Orte wie Theater jungen Menschen dabei, Gefühle auszudrücken, und Selbstwirksamkeit zu erfahren. In den #Gripsistda TheaterPowerPaketen für Grundschule und Oberschule sind während der Corona-Pandemie zwei Broschüren mit theaterpraktischen Übungen und Spielanregungen mit unterschiedlichen Medien entstanden, um den Zusammenhalt von jungen Menschen zu stärken und ihnen Raum für ihre Gefühle zu geben.
Auch Artikel 17 der UN-Kinderrechte – der Zugang zu kind- und jugendgerechten Informationen und Medien – wird durch das Theater gefördert. Inszenierungen greifen gesellschaftliche Themen auf, regen zur Auseinandersetzung an und eröffnen neue Perspektiven. Theater kann dabei als kulturelles Medium wirken, das komplexe Inhalte emotional zugänglich macht und Gespräche im Unterricht oder in der pädagogischen Arbeit anstößt. Die Online-Kataloge zum Kinder- und Jugendtheater bieten eine digitale Rechercheplattform für Materialien aus diesem Themenfeld für Bildung und Forschung.
Der Kinder- und Jugendtheatertag macht deutlich: Theater ist weit mehr als Unterhaltung. Es kann ein Lern-, Erfahrungs- und Schutzraum sein, in dem Kinderrechte sichtbar werden und praktisch gelebt werden. Für Schulen, pädagogische Einrichtungen und kulturelle Institutionen liegt darin eine große Chance – nämlich Theater bewusst als Orte der Beteiligung, Bildung und kulturellen Teilhabe für junge Menschen zu verstehen und zu nutzen.
Die Bildungsmaterialien werden auf dem Kinderrechte-Portal vorgestellt.


