Bildung und FreizeitThemennetzwerke

Themennetzwerk Bildung

Am 07. Juni 2021 hat sich das Themennetzwerk Bildung getroffen. Teilgenommen haben insgesamt 20 Vertreterinnen und Vertreter unserer Mitglieder. Themenschwerpunkt war die Situation von Schülerinnen und Schülern im Homeschooling während der Corona-Pandemie.

Teil 1

Im Vormittagsblock  gab die Geschäftsstelle im Themennetzwerk Bildung ein Update zum Projekt Kinderrechte-Kompass zur Bundestagswahl 2021 und stellte die an die Parteien versandten Thesen vor, an dessen Entwicklung die Mitglieder des Themennetzwerks beteiligt waren. Außerdem diskutierten die Teilnehmenden die Relevanz von Kinderschutzkonzepten in Bildungseinrichtungen. Ein Fokus wurde hierbei auf den institutionellen Kinderschutz gelegt. Es bestand Einigkeit darin, dass es an Bildungseinrichtungen gelebte Kinderschutzkonzepte geben muss. Diese müssen allen Beteiligten bekannt sein, d.h. dass Lehrkräfte, Fachkräfte und Kinder und Jugendliche wissen, was im Kinderschutzkonzept steht und wie es umgesetzt wird. Ein notwendiger Instrument ist hier ein Beschwerdefahrplan, der aufzeigt, an wen man sich wenden kann, wenn Rechte verletzt werden.

Teil 2

Am Nachmittag fand beim Themennetzwerk Bildung ein Austausch statt über die Situation von Kindern und Jugendlichen, die von Homeschooling und Lockdown betroffen sind. Als Einstieg wurde ein Kommentar aus den Tagesthemen gezeigt, in dem die die 15-jährige Schülerin Louisa Arendt zur Situation von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie sprach.

Die eingeladenen Gäste Bastian Lohrmann (Zweiter Kinderrechtereport), Miriam Weber und Sven Hohmann (SV-Bildungswerk) berichteten von ihren Erfahrungen mit dem “Homeschooling” und der schrittweisen Rückkehr zum Präsenzunterricht. Sie betonten, dass den Schülerinnen und Schülern während des Lockdowns der Ausgleich in Form von sozialen Kontakten und Freizeitaktivitäten fehlt. Zeitgleich nahm der schulische Druck und Stress zu. Insbesondere hin zum Ende des Schuljahres steigt nun der Leistungsdruck –  trotz Defiziten im Unterrichtsstoff, die im Homeschooling nicht bewältigt werden konnten.

Die Regelungen während des Lockdowns haben Verunsicherung und Frustration unter den Schülerinnen und Schülern hervorgerufen. Vor allem soziale Ungleichheiten und individuelle Lernsituationen wurden zu wenig beachtet.

Die Schule geht in der Pandemie noch weniger auf Individuen ein, sondern hält sich an einen vorgeschriebenen Lehrplan, der von Menschen geschrieben wurde, die die jetzige Perspektive der Kindern und Jugendlichen nicht berücksichtigen respektive verstehen. Das System muss sich auch an uns und unsere Bedürfnisse anpassen. (Bastian Lohrmann, Zweiter Kinderrechtereport)

Vorhandene Partizipationsstrukturen stärker nutzen

Ein großer Kritikpunkten der jungen Menschen sind die mangelnden Partizipationsmöglichkeiten im Entscheidungsprozess. Kinder und Jugendliche müssen angehört werden und ihre Stimme und Perspektive in Entscheidungen miteinbezogen werden. Dafür müssen vorhandene Strukturen der Schülerinnen- und Schülervertretungen stärker genutzt werden und dürfen nicht (aus Zeitgründen) übergangen werden. 

Es wird sehr viel über Schüler:innen geredet, aber nicht mit ihnen. Das ist ein Kernproblem, das jetzt in der Pandemie verstärkt wurde. (Sven Hohmann, SV-Bildungswerk)

Sie sehen auch positive Konsequenzen der Pandemie, die auch nach der Pandemie oben auf der Prioritätenliste stehen sollen, wie die fortschreitende Digitalisierung oder ein gesteigertes Umweltbewusstsein. Dennoch haben die jungen Menschen ihre Aufforderung an Entscheidungsträgerinnen und-träger klar formuliert. 

Sie sollen die jungen Menschen einfach mal fragen “Was wünscht ihr euch eigentlich?” und dann auch zuhören!” Auch wichtig, man sollte uns fragen, was wir nach der Pandemie beibehalten wollen und was nicht? (Miriam Weber, SV-Bildungswerk)

Rückkehr zum Präsenzunterricht

Oft vergessen wird: Es gibt ein Leben, auch außerhalb der Schule. Lernprozesse passieren auch auf anderen Wegen. In den Sommerferien sollten erst einmal soziale Kontakte ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Danach kann es an das Nachholen der Lehrpläne gehen.

Jetzt geht es erst einmal darum nicht das Lernen aufzuholen, sondern das Leben aufzuholen (Miriam Weber, SV-Bildungswerk).

Fazit: Der Fokus der “Aufholjagd” nach diesem Schuljahr soll nicht nur auf dem Erreichen von Abschlüssen liegen sondern auf dem Lernen und dem sozialen Zusammensein. Das wurde im Homeschooling nämlich schon zu lange eingeschränkt. 

07. Juni 2021 – Kirsten Schweder und Pauline Richter

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