UN-Dialog

Wie man einen Bericht über Kinderrechte in Deutschland schreibt: Teil 1

Wie schreibt man einen Bericht über 40 Kinderrechte-Themen oder mehr? Wie koordiniert man 20 Autorinnen und noch viel mehr Mitschreibende, sodass alle glücklich sind? Was funktioniert gut und wo raufen wir uns in der Geschäftsstelle manchmal die Haare? Darum soll es in dieser Blogreihe gehen, die aus einer sehr persönlichen Sicht beschreibt, wie der nächste Ergänzende Bericht der deutschen Zivilgesellschaft entsteht.

Es geht los

Jetzt ist es soweit. Wir stehen in den Startlöchern. Aber diese Startlöcher mussten wir uns erstmal bauen. Im Herbst 2018 begannen die ersten Überlegungen und die ersten Gespräche mit dem Deutschen Institut für Menschenrechte und dem Familienministerium. Anders als im letzten Berichtszyklus sind diesmal alle besser vorbereitet. Endlich gibt es eine Monitoringstelle zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention am Deutschen Institut für Menschenrechte und die Kinderrechte haben im Familienministerium – oder eben im Kinderministerium – ihren festen Platz. Improvisieren ist nicht mehr, auch nicht mehr für NGOs.

Das Projekt, den Ergänzenden Bericht zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention zu schreiben ist nicht ein Projekt unter vielen. Dieser Bericht ist der Grund, warum 1995 die National Coalition gegründet wurde. Hier sind sich alle Mitglieder, in aller ihrer Vielfalt, einig: Der Bericht der Bundesregierung muss ein Gegenstück erhalten, den Bericht der Zivilgesellschaft. Aus einer kleinen Beobachtung während der Anhörung vor dem UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes im Frühling 2013 wuchs die Idee, die jetzt den Grundstein bildet für den nächsten Bericht. Oder: das Arbeitsprinzip.

Arbeitsprinzip: Themenpatenschaften

Als im Juni 2013 die National Coalition mit etwa 15 Personen nach Genf reiste, um die Fragen der Experten des Ausschusses zu beantworten, notierte Claudia Kittel, heute die Leiterin der Monitoringstelle zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention am Deutschen Institut für Menschenrechte, alle Fragen der UN-Experten auf einzelnen Zetteln. Diese Zettel verteilte sie während einer kurzen Atempause an die mitgereisten Mitglieder der National Coalition zur Beantwortung. Wer kennt sich wo gut aus? Wer ist gut vorbereitet? Und wer ist Joker für alles Unvorhergesehene?

Im neuen Berichtszyklus wollen wir mit diesem Arbeitsprinzip viel früher beginnen, schon beim Erstellen des ersten Entwurfs des Ergänzenden Berichtes. Mitgliedorganisationen sollen bei Interesse eine Themenpatenschaft übernehmen können und so den Prozess von Anfang an steuern und gestalten.

Der Weg ist das Ziel

Noch weiß niemand, ob unser Konzept aufgeht, ob sich unsere Mitglieder für eine Themenpatenschaft interessieren. Werden Themen aus den letzten Empfehlungen des UN-Ausschusses, “Deutschlands Hausaufgaben”, übrigbleiben? Sind einige Themen beliebter als andere? Wie ist unser Zeitmanagement? Wer braucht wieviel Unterstützung? Werden Mitglieder mit anderen zusammenarbeiten und von diesen neuen Netzwerken profitieren?

Wenn alles in etwa so läuft wie ich mir das gerade ausdenke, dann werden wir immer wieder Gelegenheiten haben uns mit dem federführenden Referat im Familienministerium über den Zwischenstand auszutauschen, denn dort rauchen die Köpfe und brennen die Tastaturen auch gerade. Planmäßige Abgabe für die Bundesregierung ist am 9. April 2019. Der Countdown läuft.

Im nächsten Blogbeitrag geht es darum, wie wir unsere Mitglieder mit Arbeitshilfen unterstützen wollen, wie wir Themen gebildet und auseinandergenommen haben und um alle anderen aktuellen Entwicklungen.

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