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Kinderrechte Aktuell: Was vier neue politische und gesellschaftliche Entwicklungen für Kinder in Deutschland bedeuten

Welche Themen prägen derzeit die Kinderrechte auf internationaler Ebene? Welche neuen politischen und rechtlichen Entwicklungen gibt es? Und was bedeuten sie konkret für Kinder und Jugendliche?

Mein Name ist Michelle und ich begleite wöchentlich auf Social Media sowie monatlich hier im Blog die Serie „Kinderrechte Aktuell“. In dieser Ausgabe stehen vier zentrale Themen im Mittelpunkt: die erstmalige Ernennung einer Kinderbeauftragten der Bundesregierung, eine bundesweite Umfrage zu Diskriminierung, neue Impulse zur Stärkung von Pflegefamilien sowie die Ergebnisse des Kinderrechte-Index 2025. Sie zeigen, wie Kinderrechte politisch gestärkt, gesellschaftlich sichtbar gemacht und durch Daten besser verstanden werden können und an welchen Stellen weiterhin entschlossenes Handeln nötig ist.

 

Mareike Wulf als erste Kinderbeauftragte des Bundes

Zum ersten Mal in der deutschen Bundesregierung gibt es eine eigene Kinderbeauftragte – ein wichtiger Meilenstein für den Schutz, die Förderung und die Beteiligung junger Menschen. Mit der neuen Rolle soll sichergestellt werden, dass Kinderinteressen in politischen Entscheidungsprozessen nicht nur erwähnt, sondern konsequent berücksichtigt werden. Mareike Wulf übernimmt dabei die Aufgabe, Maßnahmen für Kinder über Ressortgrenzen hinweg zu bündeln und die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen ebenso zu stärken wie die Abstimmung auf europäischer und internationaler Ebene.

Die neue Struktur ist ein zentrales Element des Nationalen Aktionsplans „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“, der bis 2030 darauf abzielt, Zugänge zu Bildung, Betreuung, Gesundheit, Ernährung und Wohnraum für benachteiligte Kinder zu verbessern. Mit der erstmals geschaffenen Position wächst die Möglichkeit, Kinderrechte wirksamer zu schützen, politische Ebenen zu vernetzen und den Blick stärker auf die Lebensrealitäten junger Menschen zu richten.

 

Bund startet größte Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland

Vom 12. November 2025 bis 28. Februar 2026 führt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die bislang größte Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland durch. Ziel ist es, im Jahr 2027 ein detailliertes Lagebild zu veröffentlichen, das aktuelle Daten dazu enthält, wie Menschen hierzulande Diskriminierung erleben und wie sie damit umgehen. Auf dieser Basis werden Forderungen ausgearbeitet, wie der Diskriminierungsschutz verbessert werden kann.

Die Umfrage erfasst Diskriminierung in allen Lebensbereichen und berücksichtigt alle Diskriminierungsmerkmale. Bei der Erstellung des Fragebogens haben fast 400 Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft mitgewirkt, um sicherzustellen, dass der Fragebogen die Erfahrungen ihrer Communities abbildet.

An der Umfrage können alle Menschen ab 14 Jahren teilnehmen, die Diskriminierung erlebt haben. Die Teilnahme ist anonym, barrierearm und in vielen Formaten und Sprachen möglich: online, per Chatbot, auf Papier, in einfacher Sprache, in mehreren Fremdsprachen und auch in Deutscher Gebärdensprache.

 

Bundesweite Kampagne: Mehr Unterstützung und Anerkennung für Pflegefamilien

Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland können zeitweise oder dauerhaft nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben. Für sie sind Pflegefamilien ein wichtiger Anker: Sie bieten Verlässlichkeit, emotionale Nähe und einen Alltag, der Sicherheit vermittelt. Pflegeeltern geben weit mehr als ein Zuhause, denn sie investieren Zeit, Aufmerksamkeit und Fürsorge.

Pflegeelternschaft bedeutet Verantwortung, Offenheit und Engagement. Eine bundesweite Kampagne lenkt deshalb den Blick auf die wichtige Rolle von Pflegefamilien, würdigt ihren Einsatz und möchte Menschen ermutigen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Um den Einstieg zu erleichtern, bündelt die Kampagnen-Website umfassende Informationen an einem Ort. Interessierte finden dort übersichtlich aufbereitet alles Wissenswerte: von den grundlegenden Voraussetzungen über Antworten auf häufige Fragen bis hin zu Erfahrungsberichten. Darüber hinaus werden passende Anlaufstellen genannt, sodass der Kontakt zu zuständigen Jugendämtern und Beratungsangeboten unkompliziert möglich ist. Ziel ist es, Orientierung zu geben, Sicherheit zu vermitteln und Pflegefamilien bestmöglich zu unterstützen.

 

Kinderrechte-Index 2025 zeigt große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Der Kinderrechte-Index 2025 zeigt deutlich: Wie gut Kinder und Jugendliche ihre Rechte wahrnehmen können, hängt in Deutschland stark davon ab, wo sie leben. Ob frühkindliche Bildung, Gesundheitsversorgung, Freizeitangebote oder echte Beteiligung, die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß. Dabei gilt: Kein Bundesland setzt die Kinderrechte bislang umfassend um. Zwar gab es in den letzten Jahren Fortschritte, doch nun kommt es auf die flächendeckende Umsetzung an.

Ein zentrales Fazit: Gute Politik braucht gute Daten. Der Kinderrechte-Index zeigt, wie viele Informationen fehlen. Ein bundesweites, indikatorengestütztes Kinderrechte-Monitoring ist dringend nötig, um Transparenz zu schaffen, Fortschritte messbar zu machen und politische Maßnahmen wirksamer zu steuern.

Der Kinderrechte-Index bietet vertiefende Einblicke in einzelne Teilbereiche, darunter das Recht auf Beteiligung, das Recht auf Schutz, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, das Recht auf Bildung sowie das Recht auf Ruhe und Freizeit, Spiel und Erholung und die Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben.

 

Fazit

Die vier Themen dieses Monats zeigen, dass Kinderrechte in Deutschland stärker in den Fokus politischer und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit rücken. Mit der Einführung einer eigenen Kinderbeauftragten auf Bundesebene wird erstmals eine Struktur geschaffen, die Kinderinteressen ressortübergreifend bündeln und sichtbarer machen kann. Gleichzeitig liefern die bundesweite Umfrage zu Diskriminierung und der Kinderrechte-Index wichtige Daten, um bestehende Ungleichheiten, Benachteiligungen und regionale Unterschiede besser zu verstehen und gezielt anzugehen. Zugleich erinnert die bundesweite Kampagne für Pflegefamilien daran, dass Kinderrechte nicht nur in Gesetzen und Strategien verankert werden, sondern im Alltag gelebt werden müssen.

Insgesamt wird klar, dass es jetzt darauf ankommt, bestehende Initiativen konsequent weiterzuentwickeln, Kinder und Jugendliche stärker zu beteiligen und politische Maßnahmen verbindlich umzusetzen. Nur wenn Bund, Länder, Kommunen und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln, können Kinderrechte in Deutschland dauerhaft gestärkt und für alle Kinder gleichermaßen verwirklicht werden.