Wie man einen Bericht über Kinderrechte schreibt: Teil 14

Vilfredo Pareto, Ingenieur, Ökonom und Soziologe (1848-1923)

Das Pareto-Prinzip von 80:20 war in den letzten Wochen mein ständiger Begleiter. Sein Erfinder, Vilfredo Pareto, wurde zu meinem besten Freund.

Das Pareto-Prinzip

In den letzten Wochen saß Vilfredo Pareto, ein italienischer Ökonom geboren im 19. Jahrhundert, mit mir am Schreibtisch, er fuhr mit mir Fahrrad und trank mit mir Kaffee. Warum? Das nach ihm benannte Prinzip besagt, dass 80 Prozent des Ergebnisses mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden. In Bezug auf die Erstellung des Berichtes an die Vereinten Nationen zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention ließ mich dieser Gedanke nicht mehr los.

Pareto, der zweite Teil

Ich habe sowohl Geschichte als auch Sozialmanagement studiert und Vilfredo hätte mir an beiden Universitäten begegnen können. Tatsächlich habe ich wahrscheinlich in irgendeinem Blog zu Zeitmanagement oder in einem Magazin im Wartezimmer über ihn gelesen, wahrscheinlich unter einer Überschrift wie “Wie Sie die innere Perfektionistin in Schach halten”. Aber darum geht es mir gar nicht, denn Perfektionistin bin ich nicht. Mir geht es um die letzten 20 Prozent des Ergebnisses, um den Rest. Denn das Pareto-Prinzip sagt auch, dass die letzten 20 Prozent des Ergebnisses 80 Prozent des Aufwandes brauchen.

Pareto gegen Perfektionismus

Wenn das Pareto-Prinzip in der Ratgeber-Literatur bemüht wird, dann wird meistens aufgezeigt, man solle schnell einen Prototypen veröffentlichen, die letzten kleinen Änderungen sieht sowieso niemand, man macht sich nur selber unglücklich. Ich habe 12 Monate intensive Arbeit mit über 30 Personen hinter mir, die unterschiedlichste Texte zur Kinderrechtssituation in Deutschland verfasst haben. Diese Texte wurden von unzähligen anderen kommentiert, dann überarbeitet und wieder kommentiert. Ich habe recherchiert, koordiniert, vermittelt und die Fäden in der Hand gehalten.

Die letzten 20 Prozent des Projektes

Etwa im Juni dieses Jahres wurde es ruhig. Die letzten 20 Prozent des Projektes waren angebrochen. Die Zahl der Personen, die Zugang zu dem Text hatten, ist massiv geschrumpft. Manchmal war ich die einzige, manchmal gehörten Lara Kadegge und Cora Ripking dazu, dann vollbrachten Lektorin, Layouter und Webdesigner wahre Wunder. Und während dieser Zeit, von Juni bis Oktober 2019, wurde aus einem Word-Dokument mit unzähligen Kommentaren an der Seite, unformatierten Fußnoten, einigen nicht ausreichend belegten Behauptungen, einem vollständig grafiklosen Text ein gedruckter Bericht und eine Webseite.

80 Prozent des Gesamtaufwandes für 20 Prozent des Ergebnisses

Ist es eine Übertreibung zu behaupten, die letzten fünf Monate hätten 80 Prozent unseres Aufwandes ausgemacht? Vielleicht. Doch für mein Team und mich ist es zumindest eine gefühlte Wahrheit. Eine gefühlte Wahrheit, weil Menschen, die lektorieren, layouten und Webseiten programmieren nicht die Reden halten an der Veröffentlichungsveranstaltung. Und auch, weil wir ein Ergebnis von sehr vielen verschiedenen Autoren und Autorinnen auf einen einigermaßen ähnlichen Stand gebrachte haben. Bei einigen Texten gab es kaum etwas zu tun, bei anderen sehr viel – und all das geschah im stillen Kämmerlein. In diesem Sinne: Danke, Vilfredo, für Deine Weisheit.

In den letzten 18 Monaten habe ich in diesem inzwischen 14-teiligen Blog aus einer sehr persönlichen Sicht über die verschiedenen Etappen der Erstellung des Berichtes Die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland berichtet. Mit der Veröffentlichung des Resultates am 22. Oktober 2019 findet dieser Blog nun zuerst einmal ein Ende. Es war mir eine große Freude, dieses Format auszuprobieren und ich bedanke mich bei denjenigen, die mit mir diese Idee entwickelt haben, die mir Feedback gegeben haben und auch diejenigen, die all das mitverfolgt und gelesen haben. Ich freue mich weiterhin über Post: judit.costa(at)netzwerk-kinderrechte.de

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